-
Der Insider

-
- Landleine zu zweit - ohje!

Hallo Insider,

die Abläufe beim Auslegen einer Landleine sind uns klar. Deine Beschreibungen waren dabei sehr hilfreich. Wie aber ist das Vorgehen auf der Yacht, wenn man nur zu zweit ist. Der Yachtie müsste gleichzeitig den Anker bedienen und dabei die Yacht achteraus fahren lassen. Wie kann er dies sicher bewältigen, da der zweite Mann ja noch nicht an Bord ist? Könntest Du vielleicht einen Tipp dazu geben.

Viele Dank und viele Grüße
Martin



Hallo Nicole und Martin,

tja, das ist natürlich etwas komplizierter. Die Frage ist zunächst, ob es sich bei dem Boot um das eigene handelt oder ob Ihr auf einem gecharterten Boot unterwegs seid.

Wenn eigenes Boot würde ich mir einen Ankerkettenzählen von Quick einbauen (den habe ich auf der ONEWAY). Damit kann man vom Cockpit aus nicht nur sehen wieviel Kette draußen ist, sondern auch den Anker fallen lassen bzw. hochholen/durchsetzen. Kostet etwas, aber ist sehr hilfreich. Bei Philippi fragen, wer den jetzt vertreibt. Ich habe ihn dort vor drei Jahren gekauft.

Im Fall Charterboot muss man etwas geschickter sein: der Mann am Ruder bereitet alles vor, der Anker hängt zum Fallen bereit. Wenn er in der Position ist, wo der Anker fallen soll (das Boot steht ja in diesem Moment und macht keine Fahrt), verlässt er das Cockpit - hechtet oder schlendert jenachdem - nach vorne, öffnet das Ankerspill und marschiert wieder nach achtern. Dort gibt er Gas nach achtern - die Kette rauscht aus, er hält auf das Ende der Schwimmleine zu, hat den Bootshaken in der Hand, um das Ende aufzunehmen, stoppt rechzeitig die Fahrt, und kann, wenn die Achterleine übernommen und fest ist, die Kette in aller Ruhe durchsetzen. Wenn das Boot einigermaßen stabil rückwärts fährt kann er natürlich auch bei festgesetztem Ruder schon etwas auf Rückwärtsfahrt gehen, bevor er nach vorne marschiert, damit die Kette nicht auf den Anker fällt sondern sich bereits in Achterrichtung auslegt. Diese Methode muss man vorher üben - ich habe das jahrelang auch solo so gemacht, vor allem auch dann, wenn ich das Boot in einem Hafen zwischen die anderen an die Pier bringen musste (zum letzten Mal bei Seitenwind in Kos-Hafen). Mit etwas Geschick geht das...

Ich wünsche Euch viel Erfolg bei Eueren Anlegemanövern
Grüße aus der Bodrumer Sonne

Udo




So haben wir das mit der Landleine gemacht:

1. Dingi vorbereiten mit klargemachter Landleine (ausreichend lang, im Zweifel jeden verfügbaren Meter)
2. Anker fällt
3. Ich rudere mit dem Dingi zum Land, belege die Leine an einem Baum oder Stein und komme zum Schiff zurück
4. Ich hole das andere Ende der Leine dicht und belege es am Schiff
5. Fertig
 
Das ging auch einigermassen o.k., aber einmal hatten wir exakt das von Dir beschriebene Problem, dass das Schiff abdriftete und es eine weile dauerte, bis wir die Leine endlich doch noch mit dem Schiff verbinden konnten - Gottlob hatte es da 1) sehr wenig Wind und 2) war die Bucht leer - daher war es dann auch kein Drama...
 
Nun meine Frage: Wie hätten wir wir das besser machen können?

Alleine auf dem Schiff den Anker fallen lassen bei Rückwärtsfahrt hat sich meine Frau nicht zugetraut. Ich mir wahrscheinlich auch nicht, da sich die Kette beim Fallen immer mal wieder verhakt hatte.
 
Besten Dank für Deine tollen Internet-Seiten. Nun bin ich neugierig auf einen Profi-Tipp!
 
Sigi
 
-------------

Antwort:

Hallo Sigi,

ich danke Dir für Deine sympathische Rückmeldung zum Thema Landleine.

Das mit dem Ausbringen der Leine ist wirklich ein Problem, wenn man nur zu zweit ist. Es kommt natürlich immer darauf an wie sportlich Deine Partnerin ist - und auch wie warm das Wasser ist.

Ich bevorzuge folgende Methode, die allerdings voraussetzt, dass Schwimmleinen an Bord sind, die nicht untergehen. Bei einem Privatschiff ist das kein Problem, die schafft man sich mal an und die kosten auch nicht die Welt. 50 m sollten es sein. Bei einer Charteryacht gibt es so was natürlich in der Regel nicht an Bord.

Unterstellt Du hast so eine Schwimmleine, dann geht einer von Euch ins Wasser (oder ins Dingi) und zieht die Leine zum Ufer, während der andere in aller Ruhe Kreise durch die Bucht fährt. An Land macht der Schwimmer (Dingifahrer) die Leine an Baum oder Stein fest und schwimmt (rudert) zum anderen Ende der Leine draußen auf dem Wasser und streckt diese noch ein Stück in die Richtung, in der das Schiff liegen soll. Dann schwimmt er zur Seite und der/diejenige auf der Yacht fährt dahin wo der Anker liegen soll, lässt ihn fallen und verholt rückwärts das Schiff auf das schwimmende Leinenende zu, stoppt an der Stelle wo die Leine liegt, greift sich diese mit dem Bootshaken und macht sie fest.

Dann kommt der Schwimmer (Ruderer) zurück an Bord und beide setzen zusammen den Anker und die Leine durch.

Das Manöver hat den Vorteil, dass es a) entspannt vonstatten geht und b) nicht von Seitenwind gestört wird und c)nicht daran scheitert, dass die ausgebrachte aber wie oft üblich am Schiff festgemachte Leine zu kurz ist. Bei entschlossenem Ankerwerfen und Rückwärtsfahren auf das Leinenende zu ist immer genug Fahrt im Schiff, um Abdrift zu verhindern. Erst wenn das Schiff steht kann der Wind drücken. Aber bis das passiert ist die Leine gegriffen und fest gemacht und der Anker durchgesetzt.

Das klingt jetzt etwas langatmig ist aber im Grunde die beste Möglichkeit. Man braucht halt zwei entschlossene Menschen: der/die eine zum Ausbringen der Leine und Festmachen an Land, der/die zweite zum entspannten Kreise drehen und dann den Anker fallen lassen und rückwärts auf die Leine zufahren.

Ich hoffe, ich habe Deinen Punkt damit beantwortet. Solltest Du noch Fragen haben, bitte melde Dich.

Einen sonnigen Gruß aus Bodrum
Udo Hinnerkopf

Hier die etwas satirische Beschreibung, auf die sich Skipper Sigi bezieht: klick

-
- - -
Kommentar dazu:



Bitte nicht mehr als 6 Zeilen - der Kommentar wird schnellstens freigeschaltet!

 

Landleine

Verena Brechbühl, 17.8.2010
Hätte noch einen kleinen Tipp (bei Griechen abgeschaut) für schwere Landleine: nach dem Festmachen an Land einen Fender an das andere Ende im Wasser anbringen (schwere Landleine verhindert das Wegdriften) und dann wie oben beschrieben mit Bootshaken Fender mit Leine einholen nachdem der Anker gefallen ist. Wir haben das ausprobiert und es hat tatsächlich gut geklappt. Auf gutes Gelingen!! Grüsse - Verena

Chr. N. aus Offenbach, 26.4.09
Eine Riesenidee aus dem Bergsport: große Steine oder Felsen mit Haken und Ringen versehen, dann haben die Bäume Ruhe und die Segler mehr Sicherheit. Aber wer kann das so schnell umsetzen!? Die Restaurants in den kleinen Buchten könnten so mehr Gastlieger anziehen... Aber die Idee mit dem Kettenvorlauf und dem Karabinerhaken ist wohl die mobilste und am einfachsten umsetzbar !!

Chr. N. aus Offenbach, 25.4.09
Eine praktische Frage: oftmals werden ja noch "Landleinen zu Bäumen" empfohlen, das ist ja jetzt aber verboten. Wie streng wird dieses Verbot überwacht bzw gibt es erste Erfahrungen über Sanktionen/Bußgelder? Macht es Sinn, den Vercharterer um einen Vorschlaghammer und einen stabilen Eisenpfahl zu bitten, um Heringe zu verankern statt Bäume zu nutzen? Mit freundlichen Grüßen aus Offenbach

Antwort:
tja, das ist so eine Frage. Im Prinzip ist es verboten. Es wird auch berichtet, dass die Küstenwache im Sommer mit Hubschraubern die Buchten abgeflogen hat, um zu kontrollieren. Aber ob sie die Landleinen an Bäumen speziell ins Visier genommen haben, weiß niemand genau zu sagen. Von Strafen habe ich bisher noch nichts gehört.
Im Prinzip ist es aber so, dass das Verbot ja berichtigt ist. Der Schaden, der den Bäumen in einer Saison zugefügt wird ist immens. Eigentlich sollten wir - in Sachen Umweltschutz sensibilisiert - das einsehen und uns entsprechend verhalten - nicht wegen drohender Strafen, sondern aus Einsicht die Bäume schonen.
Ob Ihr Vercharterer einen Vorschlaghammer und einen Eisenpfahl zur Verfügung hat, bezweifle ich. Aber es gibt ja andere Möglichkeiten: ein Stück Kette mit Karabinerhaken, um diese um einen Stein oder Felsen zu legen und die Landleine daran zu befestigen tun es ja auch.


-