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Elkes Marmarameer-Geschichte:
Auf eigenem Kiel nach Istanbul

Blühende Sonnenblumenfelder am Marmara Meer
Viele Skipper im östlichen Mittelmeer träumen von Istanbul wir sind hingesegelt! Die Passage durch die Dardanellen war schön und aufregend, nun liegt die Marmarasee vor unserem Bug. Den vielen Dickschiffen und strengen Regeln des Verkehrstrennungsgebietes endlich entronnen sind wir froh, die Segel setzen zu können. Zwar geht es noch immer stramm gegenan, doch das Rauschen der Bugwelle versetzt uns in Hochstimmung. Schlag auf Schlag kreuzen wir nach Kemer, einem kleinen Ort am Südufer. Der Anker fällt vor dem Fischerhafen, in dem man trockenen Fusses von der Mole an Land käme, so viele Hochseefischerboote liegen dort dicht an dicht im Päckchen.
Als wir im Cockpit ausruhen kommt ein kleines Holzboot längsseits. In fast akzentfreiem Deutsch werden wir vom netten Angler angesprochen und nach woher und wohin gefragt. Wir erzählen und hören, dass es ganz in der Nähe eine brandneue Ausgrabungsstätte gibt. Da sind wir doch neugierig! Wir springen ins Dingi, gehen an Land, laufen über den nächsten Hügel und voila! da ist sie schon: Stadtmauern, eine römische Villa mit gut erhaltenem Bad und gleich nebenan ein hellenistisches Theater. So stolpert man in der Türkei überall über antike Siedlungen.
Die Sonne strahlt am nächsten Tag, und wir kreuzen mit Vollzeug auf, bis wir die Marmarainsel erreicht haben. Sie hat dem Meer seinen Namen gegeben, und dies zu Recht, denn hier wurde schon in der Antike der reinweisse Marmor abgebaut, den viele Bildhauer hoch schätzen. Am Südufer ankern wir frei in einer Bucht und hüpfen über Bord. Huch, kalt ist das Wasser hier, grün von vielen Algen und Quallen gibt es auch. Das Badevergnügen gerät kurz, wir sind vom klaren Wasser der Ägäis einfach viel zu verwöhnt.

Blick aufs Goldene Horn!
Früh brechen wir am nächsten Morgen mit zwei Reffs in den Segeln auf. Starker Nordostwind beschert uns einen nassen Kreuzkurs, an dessen Ende Istanbul aus der überkommenden Gischt auftaucht. Welch eine Skyline! Schlanke Minarette, dicke runde Kuppeln, etliche Wolkenkratzer, unendlich viele Häuser bis zum Horizont. Gut, dass wir die genaue Position der Ataköy Marina kennen, denn nur nach Sicht würden wir sie aus dem Häusermeer kaum herausfinden. Zuerst müssen wir das vier Meilen breite Verkehrstrennungsgebiet rechtwinklig queren, danach schlängeln wir uns durch ein dichtes Ankerfeld von dicken Pötten, die vor der Küste auf Reede liegen. Nachdem wir uns über Funk angemeldet haben, bringen uns nette Marineros zu einem Liegeplatz zwischen Fingerpontons, die jedoch nur bis zur Schiffsmitte reichen. Mit acht dicken Leinen liegen wir schliesslich wie eine Spinne im Netz verspannt.
Die Marina liegt verkehrsgünstig auf der europäischen Seite Istanbuls. Die gar nicht teure Taxifahrt ins Zentrum dauert je nach Verkehr zwischen 20 Minuten und fast einer Stunde. Es folgt ein Wirbelwind aus Besichtigungen und Stadtleben. Der Topkapi-Palast, die Agia Sofia und die Blaue Moschee liegen ganz nahe zusammen. Im gleichen Stadtteil lockt der Grand Bazar, ein kurzer Fussweg bringt uns ans Ufer des goldenen Horns und zur Galatabrücke: oben rauscht der Verkehr und unzählbar Angler warten geduldig bis unten etwas anbeißt. Eine Etage tiefer reiht sich ein Restaurant ans nächste.
Das moderne Istanbul mit dem Taksimplatz und der Einkaufsmeile Istiklal Caddesi liegt den Anlegestellen der Touristendampfer gegenüber. Angesichts des dichten und verrückten Schiffsverkehrs auf dem Bosporus entscheiden wir uns für eine Fahrt mit einem Ausflugsschiff. So können wir in Ruhe die schönen Stadtansichten geniessen und fotografieren, ohne uns um Navigation, Befahrensregeln und Verkehr kümmern zu müssen. Weitere schöne Tage vergehen mit Museumsbesuchen, Fotosessions im Menschengewühl der verschiedenen Stadtteile, Spaziergängen am Bosporus und abendlichem Testen der Istanbuler Küche in einem der vielen Straßenrestaurants. Jede Nacht fallen wir todmüsse und fußkrank, aber immer mehr begeistert von der einzigen Metropole auf zwei Kontinenten in die eigene Koje.
Einkaufsmeile Istiklal Caddesi
Nur ungern nehmen wir Abschied. Ein bisschen tröstet uns der herrliche Raumschotskurs, auf dem wir über die Marmarasee rauschen. Der sommerliche Meltem reizt auf dem Weg nach Norden manchmal zu lauten Flüchen, doch auf dem Rückweg ist das Segeln die reinste Freude. Auch die Dardanellenpassage zaubert ein breites Grinsen auf unsere Gesichter, denn geschoben von Strom und Wind erreichen wir zweistellige Geschwindigkeiten über Grund. Schneller als gedacht hat uns die offene Ägäis wieder. Wir segeln zurück nach Süden mit vielen Seemeilen und Erlebnissen im Kielwasser und wissen genau, dass wir bald wieder nach Istanbul kommen werden.
Elke Aquarius, August 2009
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